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------------------- Der Dreifingerhandschuh -------------------

Im Luttrell Psalter stolpert man häufig über diese Art von Handschuhen, sie werden von der arbeitenden Bevölkerung getragen. Gründe für diese Handschuhform könnten sein:

- bessere Beweglichkeit der Finger, im Gegensatz zum Fäustling
- sparen von Material und Arbeit, im Gegensatz zum Fingerhandschuh
- die Hände kühlen nicht so leicht aus, im Gegensatz zum Fingerhandschuh.

So kann man den Dreifingerhandschuh als sinnvollen Kompromiss sehen.



a) Nachzeichnung aus dem Luttrell Psalter (1340): Eine Frau trägt bei der Feldarbeit Dreifingerhandschuhe


b) Nachzeichnung aus dem Luttrell Psalter (1340): Ein Mann bedient einen Pflug und trägt dabei die Handschuhe. Es ist deutlich zu sehen, dass sie zweifarbig sind. Ich vermute, dass dieses Paar Handschuhe genäht und nicht nadelgebunden ist.


c) Nachzeichnung aus dem Luttrell Psalter (1340): Ein Mann trägt den Handschuh am Gürtel, weil er ihn bei der momentanen Arbeit (Getreide sähen) nicht benötigt

---------------------------- Anleitung ----------------------------

Als Material habe ich einen Wollfaden mit der Dicke 4 – 5 genommen.
Im Groben besteht der Handschuh aus drei Ausstülpungen (kleiner Finger/Ringfinger, Zeigefinger/Mittelfinger, Daumen) und dem schlauchartigen Handflächenstück.



Der Verständlichkeit halber beschreibe ich die Herstellung eines Handschuhs, der zweite wird selbstverständlich auf die gleiche Weise hergestellt.



------------------- und los geht's -------------------


Anfertigung der Fingerausstülpungen:


1) Man macht eine Luftmasche, nimmt diese richtig zwischen Daumen und Zeigefinger



2) In die Luftmasche macht man 6 Maschen, Luftmasche fest ziehen



3) 6 x V
(d. h. in jede Grundmasche zwei Maschen machen, insgesamt sechs mal)



4) 6 x IV
(d. h. erst eine normale Masche und in die nächste Grundmasche zwei Maschen (zunehmen), das Ganze insgesamt sechs mal wiederholen)



5) 6 x IIV
(d. h. erst zwei normale Maschen und in die nächste Grundmasche zwei Maschen (zunehmen), das Ganze insgesamt sechs mal wiederholen)



6) 6 x IIIV
spätestens jetzt sieht man deutlich, dass sich sechs Erhebungen gebildet haben, sie teilen den Kreis in sechs Segmente



7) Markierung: Hier habe ich jedes Drittel markiert, das kann aber sehr verwirrend sein. Ich empfehle lediglich die jetzige Stelle des Arbeitsfadens als Rundenbeginn zu markieren. Die Erhebungen sind bei der weiteren Rundeneinteilung behilflich. Man kann die Markierung sticken, wie man es auf den Bildern sieht, oder, wenn Authentizität gerade keine Rolle spielt, eine Sicherheitsnadel verwenden.



8) I..., V bei jedem Drittel
(d. h. man macht normale Maschen, an der zweiten/vierten/sechsen Erhebung je zwei Maschen in die Grundmasche (zunehmen). Innerhalb dieser Runde nimmt man also dreimal zu)



9) I..., V bei jedem Drittel
(das gleiche wie bei 8))
Ist zu vermuten, dass die Fingerausstülpung zu weit oder zu eng wird, kann man die Punkte 8) und/oder 9) durch eine normale Runde (weder ab- noch zunehmen) ersetzen oder den Punkt 9) entsprechende Male wiederholen, bis die Fingerausstülpung passt. Dies ist schließlich auch abhängig vom Material.



10) Wenn man vorhin jedes Drittel markiert hat, beschränkt man jetzt die Markierung auf den Rundenbeginn, damit man beim folgenden Arbeitsschritt nicht durcheinander kommt und man genau weis, wo die Runde begonnen hat, und wo sie endet. Ab jetzt ist also nur der Startpunkt markiert.


11) 30 Runden: I...
(d. h. man macht 30 Runden lang normale Maschen, man nimmt weder zu noch ab. Es entsteht ein Schlauch)


12) Nach den 30 Runden ist eine der beiden Fingerausstülpungen fertig (kleiner Finger/Ringfinger). Nun beginnt man wieder von vorne, macht aber diesmal 31 Runden I..., da der Mittelfinger ja etwas länger ist als der Ringfinger.
Und das sind die fertigen großen Fingerausstülpungen.



Anfertigung der Daumenausstülpung:


Dabei geht man im Groben wie bei den Fingerausstülpungen vor. Wegen der Ähnlichkeit verzichte ich im Folgenden auf Bilder:

1) Man macht eine Luftmasche, nimmt diese richtig zwischen Daumen und Zeigefinger

2) In die Luftmasche macht man 6 Maschen, Luftmasche fest ziehen

3) 6 x V
(d. h. in jede Grundmasche zwei Maschen machen(zunehmen), insgesamt sechs mal)

4) 6 x IV
(d. h. erst eine normale Masche und in die nächste Grundmasche zwei Maschen (zunehmen), das Ganze insgesamt sechs mal wiederholen)

5) 6 x IIV
(d. h. erst zwei normale Maschen und in die nächste Grundmasche zwei Maschen (zunehmen), das Ganze insgesamt sechs mal wiederholen)

6) Markierung: Ich empfehle lediglich die jetzige Stelle des Arbeitsfadens als Rundenbeginn zu markieren. Die Erhebungen sind bei der weiteren Rundeneinteilung behilflich. Man kann die Markierung sticken, wie man es auf den Bildern sieht, oder, wenn Authentizität gerade keine Rolle spielt, eine Sicherheitsnadel verwenden.

7) I..., V bei jedem Drittel
(d. h. man macht normale Maschen, an der zweiten/vierten/sechsen Erhebung je zwei Maschen in die Grundmasche (zunehmen). Innerhalb dieser Runde nimmt man also dreimal zu)
Ist zu vermuten, dass die Daumenausstülpung zu weit oder zu eng wird, kann man den Punkt 7) durch eine normale Runde (weder ab- noch zunehmen) ersetzen oder den Punkt 7) entsprechende Male wiederholen, bis die Daumenausstülpung passt. Dies ist schließlich auch abhängig vom Material.

8) 23 Runden: I...
(d. h. man macht 23 Runden lang normale Maschen, man nimmt weder zu noch ab. Es entsteht ein Schlauch)

9) Nach den 23 Runden ist der Daumen fertig. Passt er nicht, muss man ihn nach den Möglichkeiten, die oben bei den Fingerausstülpungen beschrieben sind verändern und dabei berücksichtigen, dass die Nummern der Punkte natürlich verschoben sind, die Arbeitsschritte aber sind ja gleich.

Und das ist der fertige Daumen.



Anfertigung des Handflächenschlauchs:


1) Zunächst näht man die beiden Fingerausstülpungen durch neun Stiche zusammen, dabei kann man einen der Arbeitsfäden verwenden, den man anschließend vernäht. Der zweite Arbeitsfaden sollte sich dabei ebenfalls an der Übergangsstelle befinden, diese Stelle wird markiert (Stickung, Sicherheitsnadel).


2) 15 Runden: I...
(d. h. man macht 15 Runden lang normale Maschen, es entsteht ein Schlauch. Dabei wechselt man bei der Übergangsstelle von einer Fingerausstülpung zur anderen ohne weitere Besonderheiten. Je nach Bedarf kann die Rundenanzahl erhöht oder verringert werden. Die Maschenanzahl sollte möglichst gleich bleiben, d. h. weder zu- noch abnehmen.)


3) Nun näht man den Daumen an der richtigen Seite des Handschuhs mit 7 Stichen an. Die größere Fingerausstülpung (Zeige-/Mittelfinger) muss in der Mitte von den dreien liegen.

4) Das nächste und letzte Stück kann spontan gearbeitet werden, indem man den Handschuh immerwieder anzieht und dann entscheidet, ob man in der momentanen Runde abnimmt oder nicht. Das hat den Vorteil, dass man den Handschuh für die individuellen Bedürfnisse anfertigen kann (eng/weit, kurz/lang). Abgenommen wird an den Übergangsstellen, an denen der Handflächenschlauch auf den Daumen trifft, also zwei mal in einer Runde, so ergibt sich eine saubere Linie. Ich empfehle beim ersten Handschuh mitzuschreiben, damit man den zweiten Handschuh genauso nadelbinden kann.


Im folgenden habe ich mein Vorgehen als Arbeitsplan dokumentiert:
I...
I..., an den Übergangsstellen: ^
I..., an den Übergangsstellen: ^
I..., an den Übergangsstellen: ^
I...
I...
I..., an den Übergangsstellen: ^
I...
I...
I..., an den Übergangsstellen: ^
I...
I..., an den Übergangsstellen: ^
I..., an den Übergangsstellen: ^
I...
I...
I..., an den Übergangsstellen: ^
I...
I...
I..., an den Übergangsstellen: ^
I..., an den Übergangsstellen: ^
I..., an den Übergangsstellen: ^
I..., an den Übergangsstellen: ^
15 Runden: I...


Für den zweiten Handschuh fängt man wieder von oben an. Da der Handschuh sowohl rechts als auch links getragen werden kann, muss man nicht darauf achten, für welche Hand er bestimmt ist. Wichtig ist lediglich, dass die größere Fingerausstülpung in der Mitte ist.
Zum Schluss vernäht man alle Fäden.
Und das ist der fertige Handschuh!


Wenn man möchte kann man die Handschuhe im Anschluss mit warmen Wasser, Schmierseife und Reibung verfilzen!



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